Die wechselnden und vielfältigen Beziehungen von Tanz und Mode sind das Thema der Ausstellung des Deutschen Tanzarchivs Köln in seinem Tanzmuseum. Zum ersten Mal steht bei einer Jahresausstellung im Tanzmuseum eine Auswahl aus der über 700 Einzelstücke umfassenden Kostümsammlung des Deutschen Tanzarchivs Köln im Mittelpunkt.

Tanzen à la mode — Kaum eine Kunst- und Ausdrucksform ist so nah am Puls der Zeit wie der Tanz. „Das ist der Rhythmus, wo ein jeder mitmuss…“ dichtet der Volksmund und jeder weiß, dass sich dieser Satz immer auch auf den gerade gängigen Modetanz bezieht — sei es nun ein Walzer oder ein Tango.
Tanz macht Mode — auch in den Bühnenkostümen von Tänzerinnen und Tänzern kommt seit jeher der Bezug zum jeweils herrschenden Zeitgeist zum Ausdruck. Oft war der Tanz und das Tanzkostüm dabei seiner Zeit voraus — wie zum Beispiel beim Tutu der klassischen Ballerina, das im 19. Jahrhundert den denkbar größten Kontrast zur züchtig den Körper verhüllenden Alltagsmode des Biedermeier bildete. Oder aber in den Tanzkostümen der Isadora Duncan, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Idee vom freien „Tanz der Zukunft“ anschaulich werden ließen, aber auch die Reformierung der Frauenkleidung vorantrieben…
Detail aus einem Umhang der Varietétänzerin Lylott, 1940er
Detail aus einem Umhang der Varietétänzerin Lylott (d.i. Lieselotte Jungermann), die in den 1940er Jahren in Berlin Triumphe feierte. Der Schmetterlingsumhang auf farbig bedrucktem Stoff, verziert mit Pailettenbordüren und Stickereien hat eine Spannbreite von 2 Metern. Die in den Umhang eingearbeiteten Holzstäbe dienten der besseren Handhabung.

„Mode ist zugleich Raupe und Schmetterling. Sei tags eine Raupe und ein Schmetterling bei Nacht. Es sollte Kleider geben, die kriechen und Kleider, die fliegen. Der Schmetterling geht nicht auf den Markt, und die Raupe geht nicht auf den Ball.“

Coco Chanel


Detail aus einem Tanzkleid der Tanzlegende Isadora Duncan, 1910
Detail aus einem Tanzkleid der Tanzlegende Isadora Duncan aus dem Jahr 1910, der Kleidung der griechischen Antike nachempfunden. Das von Hand gearbeitete knielange Kleid aus transparenter Seide zeigt eine ungewöhnliche Schnittkonstruktion und ist ausschließlich an den Nähten und Kanten mit feinen Zierstichen gleichfarbig verziert. Gefertigt wurde das Kleid im Atelier des berühmten Pariser Modeschöpfers Paul Poiret.
Tanzende Tanagräerin, 2. Jh. v. Ch.
Die Terrakottastatuette einer sog. „griechischen Manteltänzerin“ ist das älteste Zeugnis der Darstellung eines Tanzkostüms im Deutschen Tanzarchiv Köln. Die Skulptur wurde mit Unterstützung der Freunde der Tanzkunst am Deutschen Tanzarchiv Köln fachgerecht restauriert und wird in der Ausstellung Faltenwurf & Walzerschritt zum ersten Mal gezeigt.

„Die ganze Schönheit, die ganze Eleganz, das ganze Raffinement des griechischen Gewandes (wie übrigens fast aller antiken Gewänder) bestanden in der gekonnten Anordnung der Falten.“

Alexander Sacharoff

Detail aus dem Tanzkleid der Tänzerin Clotilde Sacharoff, 1934
Detail aus dem Tanzkleid der Tänzerin Clotilde Sacharoff aus dem Jahr 1934. Die Gewandform des Kostüms aus Seide für den Tanz „Invocation à Aphrodite“ nimmt Anleihen bei der Kleidung der griechischen Antike.

„Ich tanze

Black and white bottom

Und manchem auf der Nase herum.“

Carola Neher

Abbildung aus „Das Lustige Tanz-Bilder-Buch“, 1912
Der sogenannte „Apachen-Tanz“ folgte keiner festgelegten Schrittfolge, sein Markenzeichen war – in Anlehnung an den Tango – die enge Umarmung der Tanzpartnerin durch den Mann. Aufgrund seiner als „unsittlich“ angesehenen Bewegungen wurde der Modetanz im Sommer 1910 in Berlin durch den Verein der Berliner Saalbesitzer verboten – was zu zum Teil vehementen Protesten führte.
Detail aus einem sog. „Charleston-Kleid“, 1927
Das ärmellose Schlauchkleid aus transparenter, leichter Synthetikspitze wurde von Hand gefertigt. Es ist an der Schulter und an der Hüfte mit Strasssteinen verziert und mit Gewichten im Saum versehen, die verhindern sollen, dass das Kleid bei den temperamentvollen Tanzbewegungen nach oben rutscht.

Werbeanzeige
Zeitgenössische Werbeanzeige aus der Fachzeitschrift „Der Tanz“, Heft 3, Dezember 1927 / Januar 1928.
Detail aus einem Tanzkleid der Tänzerin Birgit Åkesson, 1953
Detail aus einem Tanzkleid der Tänzerin Birgit Åkesson aus dem Jahr 1953. Das schmal geschnittene Schlauchkleid aus meliert beigefarbener glänzender Strickware besitzt in Hüfthöhe drei spiralförmig umlaufende breite Falten, die die Hüftpartie der Tänzerin asymmetrisch erscheinen lassen, für den Betrachter den Schwerpunkt der Bewegung neu setzt.

„Aus diesen in Korsette geschnürten, bis zum Hals mit gefälteltem Tuch verschlossenen, mit Röcken und Unterröcken behafteten, aus diesen beinlosen, künstlich bienenhaft taillierten und auch in jeder Regung und Bewegung künstlichen Wesen, aus dieser historischen Frau von vorgestern ist innerhalb einer einzigen raschen Generation die Frau von heute geworden, mit ihrem hellen offenen Leib, dessen Linie das leichte Kleid nur wie eine Welle klar überfließt.“

Stefan Zweig

Details aus einem Kostüm der Primaballerina Birgit Keil, 1978
Details aus einem Ballettkostüm der Primaballerina Birgit Keil aus dem Jahr 1978. Das Kostüm für das Ballett Coppelia besteht aus einem waagerecht von der Taille abstehende Rock (Tutu) mit einem Durchmesser von 100 cm. Das auf Stäben aus Fischbeinersatz gearbeitete Mieder hat schmale Träger und weist im Vorderteil reichhaltige Verzierungen auf.
Deutsches Tanzarchiv Köln

Team und Unterstützer

Kuratoren der Ausstellung:

Klaus-Jürgen Sembach

Katja Stromberg

Thomas Thorausch

Technik:

Ralf Baader

Ruth Sandhagen

Rahmenprogramm:

Bettina Grossberg

Christiane Hartter

Thomas Thorausch

Filmprogramme:

Christiane Hartter

Kommunikation:

Tanja Brunner

Ralf Convents

Marcel Manguay

Die Ausstellung und die Veranstaltungen des Rahmenprogramms werden von den Freunden der Tanzkunst am Deutschen Tanzarchiv Köln e.V. unterstützt.

Impressum
Angaben gem. § 5 TMG; § 55 RstV

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Telefon: 0221-88895 400  |  Telefax: 0221-88895 401

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Die SK Stiftung Kultur der Sparkasse KölnBonn ist eine rechtsfähige Stiftung des privaten Rechts im Sinne von Abschnitt 1 des Stiftungsgesetzes für das Land Nordrhein-Westfalen mit Sitz in Köln.

Die SK Stiftung Kultur der Sparkasse KölnBonn wird vertreten durch den Vorstand:

Artur Grzesiek (Vorsitzender), Martin Börschel, Susanne Laugwitz-Aulbach, Dr. Joachim Schmalzl

Geschäftsführung der SK Stiftung Kultur:

Prof. Hans-Georg Bögner

Leitung Deutsches Tanzarchiv Köln:

Prof. Dr. Frank-Manuel Peter

Vorsitzender des Kuratoriums:

Dr. Hans-Jürgen Baedeker

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